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Die Advanced Practice Nurse: Annina Fröhlich
26.03.2025 BFH-Alumna Annina Fröhlich arbeitet nach ihrem Master in Pflege als Advanced Practice Nurse (APN). Sie steht damit für eine neue Generation von Pflegeexpert*innen, die Theorie und Praxis erfolgreich verbinden.
Das Wichtigste in Kürze
- Annina Fröhlich hat den Master in Pflege an der BFH abgeschlossen und arbeitet als Advanced Practice Nurse (APN), eine spezialisierte Pflegefachperson.
- APNs stärken die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Theorie-Praxis-Transfer.
- Die gesetzliche Anerkennung fehlt, daher bleibt die Arbeit Pionierarbeit.
- Mut, Flexibilität und Teamfähigkeit sind essenziell für diesen Beruf.
Sie haben einen Masterabschluss in Pflege und arbeiten als Advanced Practice Nurse (APN). Was heisst das?
Ich bin eine diplomierte Pflegefachperson mit einem Masterabschluss und habe mich durch Studium und praktische Erfahrung für erweiterte Aufgaben im Bereich Therapieüberwachung, Medikamentenmanagement, Leadership oder Projektmanagement qualifiziert.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag ganz konkret aus?
Ich arbeite für das Start-up Advacare. Da gleicht kein Tag dem anderen – und genau das macht meine Arbeit so spannend. Aktuell begleite ich etwa als Clinical Nurse Specialist (CNS) das Pflegeteam im Praxiscoaching, starte mit ihnen in die Frühschicht und unterstütze in der Pflege. Mein Fokus liegt dabei auf der Befähigung der Mitarbeitenden. In herausfordernden Situationen übernehme ich Teilaufgaben, etwa bei einer komplexen Wundversorgung. Nachmittags leite ich Fallbesprechungen oder gebe Fachinputs und Weiterbildungen.
An anderen Tagen arbeite ich als Nurse Practitioner (NP) und bereite mich auf Visiten vor, analysiere Verlaufsberichte und überprüfe Therapien. Ich besuche auch Bewohnende in Pflegeheimen, passe Behandlungen an oder leite weiterführende Abklärungen ein – in komplexen Fällen in Absprache mit der Ärzteschaft.
Daneben gibt es Tage, an denen ich mich mit Projekten, Konzeptentwicklungen oder der Weiterentwicklung interner Strukturen beschäftige. Auch das Studium aktueller Forschungsliteratur gehört zu meinem Job.

Warum ist diese Arbeit wichtig?
Das Gesundheitswesen ist komplex und die Zusammenarbeit von verschiedenen Berufsgruppen ist essenziell, doch oft fehlt die Zeit für eine koordinierte Abstimmung. Gleichzeitig werden Behandlungsansätze immer anspruchsvoller und Fachkräfte müssen sich kontinuierlich weiterbilden.
Die Arbeit der APN setzt genau hier an. Sie stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit, vermittelt Wissen und fördert den Theorie-Praxis-Transfer.
Mit welchen Herausforderungen kämpfen Sie in Ihrem Arbeitsalltag?
Eine grosse Herausforderung ist die fehlende gesetzliche Verankerung der APN-Rolle. Da unsere Leistungen keine direkten Einnahmen generieren, ist unser Handlungsspielraum oft eingeschränkt und viele Betriebe müssen den Mehrwert der APN erst erkennen. Das erschwert die Etablierung und langfristige Integration dieser wichtigen Funktion im Gesundheitswesen.
Die APN-Rolle ist noch immer Pionierarbeit.
Warum haben Sie sich persönlich für diesen Berufsweg entschieden?
Der Masterabschluss hat mir viele Türen geöffnet und mich für eine Vielzahl von Tätigkeiten befähigt. Die Rolle der APN ermöglicht es mir sowohl klinisch als auch akademisch zu arbeiten. Das gefällt mir.
Welche Fähigkeiten und Qualifikationen sind Ihrer Meinung nach besonders wichtig in Ihrem Beruf?
Flexibilität und die Lust, Neues zu entdecken, sind essenziell – denn die APN-Rolle ist noch immer Pionierarbeit. Mut und Entscheidungsstärke sind ebenso wichtig wie Teamfähigkeit und Kommunikationsgeschick. Zudem braucht es die Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten und praxisnah zu vermitteln.
Das Start-up Advacare
Advacare ist ein Schweizer Start-up, das sich seit 2020 für mobile Pflegeexpertise einsetzt.
Es stellt verschiedenen Pflegeeinrichtungen eine flexible, evidenzbasierte Fachunterstützung zur Verfügung, um die Pflegequalität zu steigern und Führungskräfte zu entlasten.
Zudem stellt Advacare eine webbasierte Fachbibliothek bereit, die evidenzbasierte Grundlagen für den Pflegealltag bietet. Durch diese Dienstleistungen trägt das Unternehmen dazu bei, den Fachkräftemangel in der Langzeitpflege zu entschärfen und die Pflegequalität zu stärken.
Gab es ein besonders prägendes Erlebnis auf Ihrem bisherigen Berufsweg?
Ich habe als Teil eines APN-Teams eine junge Frau im Universitätsspital betreut. Die Frau hatte eine Krebserkrankung überlebt, aber aufgrund zahlreicher Baucheingriffe schwere Wundheilungsstörungen entwickelt. Die Wundversorgung war für sie und ihre Familie extrem belastend und auch fachlich sehr komplex. Viele verschiedene Fachbereiche waren involviert und die Kommunikation zwischen den Bereichen war herausfordernd.
Das APN-Team begleitete die junge Frau und das gesamte Behandlungsteam über Monate hinweg und überarbeitete das Behandlungskonzept regelmäßig. Als die junge Frau schließlich mit einer deutlich verbesserten Situation nach Hause durfte, war ich sehr stolz.
Gab es auch Momente, in denen Sie mit dem Gedanken gespielt haben, Ihre Arbeit an den Nagel zu hängen und etwas anderes zu machen?
Ja, dieser Gedanke ist mir schon mehrmals gekommen. Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind für uns alle enorm und als ich Mutter wurde, kam zusätzlich das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie hinzu. Ich habe aber immer wieder festgestellt, wie erfüllend und sinnvoll mein Beruf ist.
Die Möglichkeit, einen direkten Einfluss auf das Leben von Menschen zu haben und in einem Team von engagierten und inspirierenden Kolleg*innen zu arbeiten, hat mich immer wieder motiviert, dranzubleiben.
Wie hat Sie das Studium an der BFH auf Ihre Tätigkeit als APN vorbereitet?
Ich habe im Rahmen meines Masterstudiums an der BFH wertvolle Inhalte zu einer Vielzahl von Themen erarbeitet, die mir in meiner Tätigkeit als APN täglich zugutekommen. Besonders prägend waren jedoch die Kontakte und das Netzwerk, das ich in dieser Zeit aufgebaut habe und bis heute pflege.
Die Möglichkeiten, als APN etwas zu bewegen und zu wachsen, sind enorm.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der darüber nachdenkt, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen?
Go for it! Es wird Herausforderungen geben, aber die Möglichkeiten, etwas zu bewegen und zu wachsen, sind enorm.
Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?
Ich wünsche mir, dass die Rolle der APN gesetzlich anerkannt und damit langfristig legitimiert wird. Das würde nicht nur den Weg für eine klare Regulierung ebnen, sondern auch den Beruf deutlich attraktiver machen.