NFP 81: Baukultur im Kontext von Flucht
Das Projekt leistet einen Beitrag zu einer nachhaltigen Baukultur und zur Überwindung von Temporalität und Ausgrenzung.
Fiche signalétique
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Départements participants
Architecture, bois et génie civil
Travail Social - Institut(s) Institut diversité sociale et culturelle
- Organisation d'encouragement FNS
- Durée (prévue) 01.02.2025 - 31.01.2029
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Direction du projet
Prof. Dr. Eveline Ammann Dula
Dr. Carolin Fischer
Dr. Tobias Baitsch -
Équipe du projet
Manuel Insberg
Dr. Clara Bombach
Prof. Daniel Baur - Mots-clés Baukultur, geflüchtete Menschen, Nachhaltigkeit
Situation
Die Beziehung zwischen der Gesellschaft und der gebauten Umwelt ist eine grundlegende Dimension der Baukultur (vgl. Davos-Erklärung 2018). Die gebaute Umwelt trägt dazu bei, ob verschiedene Gruppen als gleichwertig in der Gesellschaft wahrgenommen werden oder nicht (Hauge et al., 2017). Die Studie konzentriert sich auf Kollektivunterkünfte für geflüchtete Menschen in der Schweiz. Obwohl diese Einrichtungen offiziell als Übergangslösungen gelten, beherbergen sie ihre Bewohnenden oft über längere Zeit. Bestehende Empfehlungen und Standards für die Unterbringung von geflüchteten Menschen (z.B. BMFSFJ & UNICEF, 2021; SFH 2021) werden in der Praxis selten angewendet. Die Gestaltung und Funktionsweise solcher Einrichtungen in Verbindung mit der grundlegenden Unsicherheit ihrer Bewohnenden begünstigen Prekarität und Ausgrenzung (Kreichauf, 2018). In der Forschung werden die negativen Auswirkungen solch ausgrenzender Baukultur auf die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Bewohnenden, auf die Nachbarschaft (Friedrichs et al., 2019) und den sozialen Zusammenhalt hervorgehoben. Der Status quo der für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzten baulichen Infrastruktur steht in deutlichem Gegensatz zu den Zielen einer nachhaltigen, hochwertigen Baukultur, die «Menschen zusammenbringt und den sozialen Zusammenhalt fördert» und zugleich «den Raum schafft, in dem jeder Einzelne nach persönlichem Wachstum und Selbstverwirklichung streben kann» (Schweizer Bundesamt für Kultur, 2021, S.11).
Approche
Dieses Projekt soll zu einer sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Baukultur von Unterkünften für geflüchtete Menschen beitragen, die sich am «Davos Baukultur Quality System» orientiert. Es untersucht die grössten Herausforderungen der derzeitigen Unterkünfte, um wirtschaftlich, sozial und ökologisch tragfähige Modelle zu entwickeln. Zudem testet das Projekt, wie die bestehenden Mängel zu beheben sind, um integrative Lebensgrundlagen für Geflüchtete und die lokale Bevölkerung zu schaffen. Der Schwerpunkt liegt auf Kollektivunterkünften, die von Kantonen oder Gemeinden bereitgestellt und verwaltet werden. Die Bewohnenden dieser Unterkünfte haben Asyl beantragt, eine erste Zeit in einem Bundesasylzentrum verbracht und entweder einen Aufenthaltsstatus erhalten oder warten auf eine Entscheidung über ihr Asylgesuch. Das Projekt umfasst drei aufeinander aufbauende Teile, die sich mit der Planung und dem Bau von Kollektivunterkünften in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft befassen. In Zusammenarbeit mit Praxispartner*innen und relevanten Interessengruppen werden mit Hilfe komplementärer Methoden wie historischen Analysen, Expert*inneninterviews, Fokusgruppen, Mappings und Reallaboren übergreifende Erkenntnisse gewonnen und eine Grundlage für die Förderung einer hochwertigen Baukultur im Kontext von Flucht geschaffen.
Résultat
Im Hinblick auf die erwarteten Migrationsbewegungen in der Zukunft und die Dringlichkeit nachhaltiger Entwicklung im Allgemeinen, ist der Aufbau integrativer Städte und Stadtviertel von entscheidender Bedeutung (SDG 11). Die erwarteten Ergebnisse und Lösungen aus diesem Projekt werden ein wichtiger Meilenstein sein, nicht nur für die Verbesserung der Wohnsituation geflüchteter Menschen, sondern auch für andere marginalisierte Gruppen. Aus diesem Grund richten sich unsere Ergebnisse sowohl an die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch an Praktiker*innen sowie staatliche und lokale Behörden.